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Geschwisterliebe

Geschwister - und die Rolle der Eltern

Wir haben mit unseren Geschwistern meistens mehr gemeinsam als mit jedem anderen Menschen. Sie kennen uns oft besser als unsere Eltern und wenn das Leben seinen normalen Lauf nimmt, werden sie unsere Familie bleiben, auch über den Tod der Eltern hinweg.



IHR KOMMENTAR


Als Eltern können wir unseren Kinder ermöglichen, eine gute Beziehung aufzubauen, wovon sie ein Leben lang profitieren können. Manche Geschwisterbeziehung ist stärker als jede Freundschaft, manche funktioniert überhaupt nicht. Woran kann das liegen?

Ein wichtiger Faktor sind die Eltern. So wie die Eltern mit ihren Kindern umgehen, wie sie Konflikte lösen, wie viel sie bei Streit oder Unstimmigkeiten intervenieren, wer als „gutes Vorbild“ genommen wird, wer mit wem verglichen wird oder als „Problemkind“ gesehen, so wie unsere Eltern mit uns und unseren Geschwistern umgehen, ist maßgeblich für die Beziehung der Kinder.
Wenn wir ein schlechtes Gewissen gegenüber jemanden haben, der immer schlechter als ich behandelt wird, wenn wir einen Groll gegen jemanden hegen, der immer in einem besseren Licht als wir steht… das sind keine guten Voraussetzungen dafür, dass eine liebevolle, freundschaftliche oder gute Beziehung zwischen uns entstehen kann.
Wenn wir immer über unsere Eltern kommunizieren, wenn unsere Eltern immer regulierend intervenieren, können wir als Geschwister nicht selbst einen Dialog pflegen.
Haben Sie Geschwister? Wie ist Ihre Beziehung zu ihnen? Gab es etwas, was Ihre Eltern dazu beigetragen haben, dass diese Beziehung besser oder schlechter gemacht hat?
Wird das Jüngere immer verteidigt, das Ältere immer als Beispiel genannt, das mittlere immer bemitleidet? Wie die Eltern auf die Kinder reagieren, sagt oft viel darüber aus, was für einer Bild sie von dem jeweiligen Kind haben. Die Geschwister hören und sehen so, was von ihnen gehalten wird und so können Ablehnung, Neid, Mitleid oder andere negative Gefühle dem Geschwisterkind gegenüber entstehen.

Was können wir als Eltern tun, damit unsere Kinder eine gute Beziehung aufbauen?

1. Nehmen Sie jedes Kind mit ihren momentanen Bedürfnissen wahr. Wenn ich heftige Gefühle habe, nützt es mir nichts, wenn mein gegenüber sich nicht mit mir, sondern mit etwas anderem beschäftigt (z.B. „Wer hat angefangen?“, „Was hast du gemacht?“ „Deine Schwester hat es auch nicht leicht“, etc.)

2. Falls Geschwister (oder auch andere Kinder) einen Konflikt haben, versuchen Sie die Kinder dabei zu unterstützen, selbst eine Lösung für den Konflikt zu finden. Sie brauchen dabei nicht Schiedsrichter oder Richter sein, sie müssen nur das Anliegen der Kinder ernst nehmen und sie darin bestärken, dass sie selbst eine Lösung für das Problem finden können. (Natürlich Unterschiede bezüglich Alter berücksichtigen und auch Gewalt in jegliche Form sofort unterbinden).

3. Geben Sie jedem Kind das was es braucht, an den individuellen Bedürfnissen orientiert, nicht an dem, was das andere Kind bekommen hat. Das bedeutet: Behandeln Sie nicht alle Kinder gleich, denn sie sind nicht gleich. Behandeln Sie die Kinder individuell.

4. Kümmern Sie sich bei Streit nicht um den Angreifer, sondern um das angegriffene Kind. Es passiert so oft, dass wir ein weinendes Kind vor uns haben und statt dieses Kindes zu trösten und uns darum zu kümmern, lassen wir es stehen und gehen zum (von uns vermuteten) Schuldigen, dem wir eine Predigt halten. Dabei passiert folgendes: das Kind, das den Schmerz verursacht hat, bekommt viel Aufmerksamkeit und das Kind, das weint, fühlt sich verkehrt – die Not findet keinen sicheren Hafen, und es hat sogar ein schlechtes Gewissen, weil das andere Kind geschimpft wird. Das Kind, das den Schmerz verursacht hat, wird mit Aufmerksamkeit „belohnt“. Alles nicht ideal. Wenn wir uns stattdessen um das weinende oder klagende Kind kümmern, nehmen wir es in den momentanen Bedürfnissen ernst und es entstehen keine widersprüchlichen Gefühle.

5. Vergleichen Sie die Geschwister nicht untereinander. Das sorgt für unnötig schlechte Gefühle dem anderen Kind gegenüber. Heben Sie hervor, was das Kind besonders gut gemacht hat oder drücken Sie klar ihre Erwartungen oder Wünsche aus, ohne das Geschwisterkind als gutes oder böses Beispiel heranzuziehen. Sprechen Sie beim Kind, das Sie vor sich haben dessen Fähigkeiten an, drücken sie klar aus, was Sie erwarten. Jedem von uns fällt es leichter zu verstehen was mein Gegenüber von mir will, ohne dass man sich schlecht fühlt, weil andere Personen als gutes oder schlechtes Beispiel herangezogen werden. Wenn wir aufhören die Kinder untereinander zu vergleichen, passiert automatisch auch folgendes: Die Kinder werden nicht in Schubladen kategorisiert (du bist der Wilde, du bist die Brave, etc..), so kann jedes Kind sich auch freier entwickeln, ohne dass das Selbstbild von außen geprägt wird.

Geschwister sind ständig in Kommunikation, auch wenn sie nicht kommunizieren, sie brauchen sich und gleichzeitig gibt es Momente oder Situationen, wo sie sich nicht sehen können/wollen. Damit sie eine Bereicherung bleiben, ist es wichtig, dass wir alle Mitglieder der Familie in ihrer Individualität sehen und respektieren, so lernen auch unsere neuen Familienmitglieder einen rücksichtsvollen Umgang miteinander. Das größte Geschenk, das wir unseren Kindern mitgeben können, ist eine liebevolle und achtsame Erziehung, die ihr Selbstbild stärkt und ihre Fähigkeiten hervorhebt. Indem Kinder lernen mit Konflikten umzugehen sind diese zwei Prämissen gegeben, und sie können nur lernen die eigenen Grenzen und die des Gegenübers zu respektieren, wenn sie dieses üben.
Kinder sind eine Bereicherung, Kinder erziehen eine große Herausforderung. Für jede Tätigkeit, Arbeit, Sport oder Hobby gibt es Anleitungen, Teamsitzungen, Supervisionen, Regelungen. Im Familienalltag ist man oft auf sich gestellt und nicht selten mit dem Alltag überfordert.
Sollte der Alltag eine Überforderung für Sie darstellen, können Sie gerne mit uns Kontakt aufnehmen, und so unbürokratisch, anonym und kostenlos eine Beratung in Anspruch nehmen.

Die BEKiZ Familienberatungsstelle des Eltern-Kind-Zentrums Schwaz begleitet Familien, Frauen, Paare, Kinder wie Jugendliche und unterstützt unbürokratisch, anonym und kostenlos mit Beratungsgesprächen, Tipps, Supervisionen und vielem mehr.

Kontakt:
BEKiZ Familienberatungsstelle
Eltern-Kind-Zentrum Schwaz

Johannes-Messner-Weg 11
6130 Schwaz
+43 677 621 512 12
bekiz.familienberatungsstelle@gmail.com
www.ekiz-schwaz.at

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